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St. Apollonia Kisselbach

erbaut:              1911

Patrozinium:      09. Februar

anlässlich der 900 Jahr Feier wurde eine überarbeitete Jubiläumsschrift von Pastor Josef Böhm herausgegeben, die die Geschichte der Kirche in Kisselbach sehr gut beschreibt.

Diese Schrift können Sie bei Frau Lucia Schorn (Telefon-Nr. 06766/408) beziehen.,

Auszüge aus dieser Schrift haben wir auf diese Seite eingestellt:

 

 

  • 100 Jahre Kirche in Kisselbach von Pfarrer Josef Böhm

    Kommt man nach Kisselbach, so grüßt von der Höhe oberhalb des Dorfes die Kirche des Ortes. Am Tag der Einweihung wurde von ihr das treffende Wort gesagt: Imponierend und traulich zugleich erhebt sie sich auf einem Berghang, das Muster einer schönen Dorfkirche.

    Am 17. Dezember 1911 wurde sie eingeweiht und wenige Tage später, am 1. Weihnachtstag wurde der erste Gottesdienst in ihr gehalten.

    Seitdem sind 100 Jahre vergangen.

    Das ist der Anlass, um die Baugeschichte des Gotteshauses zu beschreiben und sich aller Nöten und Mühen zu erinnern, die damit verbunden waren.

    Anschließend ist der Umbau der Kirche dargestellt.

     

  • Der Zustand der alten Kirche in Kisselbach

    Als Pastor Franz Hobusch im Jahre 1859 nach Rayerschied kam, stand er vor denkbar schwierigen Aufgaben. Das Pfarrhaus in Rayerschied und auch die beiden Kirchen befanden sich in einem schlechten Zustand. Pastor Hobusch baute im Jahre 1867 ein neues Pfarrhaus in Rayerschied. Er gedachte in den folgenden Jahren dort auch eine neue Kirche zu bauen, jedoch dieses Vorhaben kam nicht zur Ausführung wegen des Kulturkampfes, aber auch weil sich die Katholiken von Kisselbach und den umliegenden Dörfern sich dagegen sträubten.

    Im Jahr 1883 machte Pastor Hobusch erneut den Versuch, in Rayerschied eine neue Kirche zu bauen, doch auch dieses Vorhaben scheiterte.

    Untersuchungen vom Jahre 1883 lassen den baulichen Zustand der beiden Kirchen erkennen. eine Regierungskommission besichtigte am 19.08.1883 die beiden Kirchen. Am folgenden Morgen haben Baurat Möller aus Kreuznach und Baumeister Schulz aus Simmern die beiden Kirchen noch einmal besucht. Sie kamen dabei zu dem übereinstimmenden Urteil, die Kirche in Rayerschied sei viel schlechter, als man es sich vorgestellt habe, die Kirche in Kisselbach könnte noch eine Zeitlang stehen.

    Die königliche Regierung machte am 16.01.1884 daraufhin der Bischöflichen Behörde in Trier den Vorschlag, vom Neubau einer Kirche in Rayerschied abzusehen und die Kirche in Pleizenhausen zu erweitern, ferner bei der Kirche in Kisselbach eine Sakristei anzubauen. Die jetzige Kirche in Rayerschied sei für eine Pfarrkirche viel zu klein.

    Es lag auf der Hand, dass die Durchführung dieser Vorschläge zur Auflösung der Pfarrei geführt hätte. In einem Schreiben an die Bischöfliche Behörde schildert Pastor Hobusch den Zustand der Kirche in Kisselbach in sehr düsteren Farben. Er wollte damit beweisen, dass eine solche Kirche unmöglich Pfarrkirche werden könnte.

    Pastor Hobusch führte in seinem Schreiben aus:

    Die Kirche sei baufällig, das Baumaterial der Kirche sei brüchig. Auch die Fundamente seien zweifellos sehr angegriffen, da diesselben immerfort im Wasser stehen, einerseits durch den unmittelbar daneben fließenden Simmerbach und andererseits durch das ansteigende Terrain, weshalb alles Unter- und Oberwasser aus dem Dorf und Feld und den gewässerten Wiesen nur nach der Kirche abfließen kann. Darum sei auch die Kirche so entsetzlich feucht, dass der Fußboden selbst im Sommer fast nie trocken wird und man wie auf Glatteis geht, dass der an der Decke festgefrorene Dunst gleich Regen sich löst und auf die Anwesenden träufelt.

    Die Hostien könnten in der Kirche nicht aufbewahrt werden. Auch müsste jeder Pfarrer, der diese Kirche als Pfarrkirche benützt, in kurzer Zeit durch Rheumatismus völlig arbeitsunfähig werden.

    Auch wenn man bei der Schilderung Abstriche macht, kommt man zu der Annahme, dass die alte Kirche in Kisselbach in einem schlechten Zustand war.

    Im Jahr 1894 hat Pastor Hobusch Rayerschied verlassen. Zehn Jahre lang, bis zum Jahr 1894 blieb die Pfarrei unbesetzt.

  • Vorbereitung für den Bau einer neuen Kirche

    Es war für die Katholiken von Kisselbach und der umliegenden Dörfer eine große Genugtuung als Pfarrer Philipp Hoffmann sich entschloss in Kisselbach eine neue Kirche zu bauen. Im Jahre 1907 war er als Pastor nach Rayerschied gekommen. Er übernahm die Sorgen und Mühen, die mit einem Kirchbau verbunden sind, ihm haben die dortigen Katholiken viel zu verdanken.

    Die Finanzierung des Vorhabens bereitete große Schwierigkeiten, denn die finanziellen Möglichkeiten der dortigen Einwohner waren gering.

    Bereits im Jahre 1901 war ein Kirchbauverein gegründet worden. Vorsitzender war der langjährige Lehrer Lorsbach. Sammler waren Jakob Rheingantz, Jakob Kasper, Josef Susenburger, Christoph Schmitt und Adam Strunk. Mit Pfennigen wurde der Baufonds zusammengebracht. Zweck des Vereins war es, wie die Statuten ausweisen, für den Bau der Kirche durch monatliche Beiträge ein Grundkapital zusammenzubringen.

    Mitglied konnte jeder werden, der monatlich wenigstens 30 Pfennig zahlte, das Beitrittsgeld betrug eine Mark. Auf der Generalversammlung am 13.02.1910 beschloss man eine letzte große Anstrengung. Der Baufonds betrug damals 13.500,00 Mark, bis Ende des Jahres 1912 sollten weitere 2.500,00 Mark aufgebracht werden.

    Die große Hoffnung der Kirchengemeinde war eine Hauskollekte bei den Katholiken der Rheinprovinz. In dieser Weise war auch der Kirchbau in Rayerschied finanziert worden.

    Der Oberpräsident der Rheinprovinz genehmigte am 18.07.1910 diese Kollekte, und die Bischöfliche Behörde hat die Kollekte wärmstens empfohlen.

    Auch die einzelnen Bistümer der Rheinprovinz empfahlen die Sammlung.

    Besonders eindrucksvoll war die Empfehlung, die Pastor Philipp Hoffmann seinen Sammlern mitgab. Er schreibt:

    Herzliche Bitte - Katholische Glaubensgenossen!

    Verhelft einer armen Diasporagemeinde des Hunsrücks zu einer neuen Kirche. Kisselbach, eine mit Einschluss der umliegenden Filialen rund 600 Seelen zählende Gemeinde besitzt eine im 17. Jahrhundert erbaute Kapelle, die viel zu klein und äußerst baufällig ist. In der Zeit von Oktober bis Mai rinnt die Nässe in förmlichen Bächen die Wände herunter, Altar und Tabernakel sind stets feucht, so dass das Gotteshaus seiner Bestimmung unwürdig erscheint. So steht die Gemeinde vor der dringenden Notwendigkeit eines Neubaus.

    Der bereits vor acht Jahren gegründete Kirchenbauverein hat sein Möglichstes getan; aber wenn sich die Kleinbauern und Fabrikarbeiter, aus denen die katholische Bevölkerung von Kisselbach besteht, freudig alle Monate ihren Beitrag leisten, so ist es doch unmöglich, ohne fremde Hilfe zum Ziele zu gelangen.

    Überdies ist die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde auf das äußerste angespannt.

    Kisselbach ist mit  Prozent Gemeindeumlagen auf Einkommens-, Grund- und Gebäudesteuer und mit 70 Prozent Kirchenumlagen auf dieselben Steuerarten belastet.

    Wir sind daher gezwungen, uns an die Mildtätigkeit edler Wohltäter zu wenden mit der herzlichen Bitte: Schenken Sie uns einen Baustein zu einem einfachen Gotteshaus in unserer Diasporagemeinde. Mit dankbarsten Herzen nehmen wir jede Gabe- auch in Briefmarken an. Aller Wohltäter wird jeden Sonn- und Feiertag in der heiligen Messe gedacht.

    Schon im Voraus herzlichstes Vergelt´s Gott!

    gez. Philipp Hoffmann, Pfarrer

    Die von Herrn Pfarrer Hoffmann, Höchwürden in Rayerschied vorgetragene Bitte empfehlen wir zur wohlgeneigten Berüchsichtigung.

    Trier, den 24. Juni 1909

    Bischöfliches Generalvikariat

                    gez.Reuß

     

    Als Sammler wurden mit amtlicher Genehmigung beauftragt aus Kisselbach 16 Männer, aus Riegenroth ein Mann, aus Rayerschied drei Männer, aus Benzweiler drei Männer, aus Pleizenhausen fünf Männer.

    Auch der Pastor hat sich persönlich an der Sammlung beteiligt. Man rechnete bei der Sammlung mit einem Ergebnis von 30.000,00 Mark. Das Ziel wurde nicht ganz erreicht, mit dem tatsächlichen Ergebnis von 23.000,00 Mark konnte man dennoch zufrieden sein.

    Von Bedeutung für den Kirchbau war die Hilfe des Bonifatiusvereins. Der Generalvorstand in Paderborn spendete zusammen mit den Zweigvereinen Trier, Münster und Köln den Gesamtbetrag von 7.500,00 Mark.

    Die Bischöfliche Behörde in Trier gab zum Kirchbau einen einmaligen Betrag von 2.000,00 Mark.

    An Einzelspenden für die Kirche seien genannt:

    Dechant Sellen, Rheinböllen 500,00 Mark; ferner Frau Len aus Düsseldorf mit einer testamentarischen Zuwendung von 500,00 Mark. Schließlich versprachen Frau I. Dhein und ihre Töchter aus Krefeld in Gedenken an den verstorbenen Mann und Vater, die Kommunionbank zu stiften.

    Wer kennt die vielen ungenannten Spender, die mit kleinen oder größeren Summen zum Bau der Kirche beigetragen haben. Die bisherigen Angaben sollen erläutern, wie mühsam das Geld für den Kirchbau zusammengebracht wurde.

    Am 13.06.1910 konnte folgende Übersicht über die Aufbringung der Kosten erstellt werden:

    Baufonds13.500,00 Mark
    Bischöfliche Spende   2.000,00 Mark
    Spende von Dechant Seelen (Rheinböllen)     500,00 Mark
    Kirchbauverein von Kisselbach  2.500,00 Mark
    Hand- und Spanndienste im Werte von  1.000,00 Mark
    Bonifatiusverein  7.500,00 Mark
    Ertrag der Sammlung in der Rheinprovinz23.000,00 Mark
    Summe50.000,00 Mark

    Über den Bauplatz, auf dem die neue Kirche errichtet werden sollte, war man sich nicht einig. Die Einwohner von Kisselbach diesseits bevorzugten das Gelände der alten Kirche.

    Zwei Gutachten über den Baugrund wurden erstellt, die beide zum gleichen Resultat kamen. Bis vier Meter könnte kein fester Boden festgestellt werden.

    Mit Sicherheit sei zu erwarten, dass auch in größerer Tiefe ein traffähiges Fundament nicht zu finden sei.

    Nach Aussagen einiger Ortseinwohner sei die alte Kirche auf einem Pfahlrost gegründet worden. Es müsste demnach ein künstliches Fundament gelegt werden, dass die Kosten für einen anderen Bauplatz weit übersteigt. Es könne nur dringend geraten werden, von der Benutzung des alten Kirchplatzes abzusehen.

    Der Kirchenvorstand und auch die Bischöfliche Behörde schlossen sich dieser Meinung an.

    Pastor Hoffmann schlug vor, wenn sich kein anderer Bauplatz auf dem Wiesengelände oberhalb der Kirche fände, das Gelände Flur 9 Nr. 1144/472 467 Gemeinde Kisselbach jenseits "Auf dem Vorgelsang" als Bauplatz zu verwenden. So geschah es dann auch.

    Architekt Ernst Brand aus Trier entwarf einen Bauplan für die Kirche. Dieser Plan fand am 12.06.1910 die Genehmigung des Kirchenvorstandes und am 28.06.1910 mit einigen Abänderung die Zustimmung der Bischöflichen Behörde.

    Der Plan wurde von der Kreisbehörde geprüft, und diese erteilt die endgültige Bauerlaubnis am 14.12.1910.

    Der Kirchenvorstand schloss einen Vertrag mit Architekt Brand über Vorarbeiten, Bauaufsicht und Besuch der Baustelle.

    Mit der Ausführung des Vorhabens konnte nun begonnen werden.

  • Grundsteinlegung und Bau der Kirche

    Ein vorläufiger Kostenvoranschlag, der am 10.06.1910 von Architekt Brand erstellt wurde, ergab folgendes Bild:

    Erdarbeiten    700.00 Mark
    Maurerarbeiten24.000,00 Mark
    Steinmetzarbeiten 6.000,00 Mark
    Zimmerarbeiten 5.700,00 Mark
    Dachdeckerarbeiten 4.200,00 Mark
    Klempnerarbeiten   900,00 Mark
    Schlosserarbeiten   900,00 Mark
    Schreinerarbeiten 1.900,00 Mark
    Glaserarbeiten    600,00 Mark
    Anstreicharbeiten    600,00 Mark
    Architektenhonorar 2.500,00 Mark
    Summe48.000,00 Mark

    Pastor Hoffmann merkt noch an: Für Grunderwerb sind anzusetzen 2.000,00 Mark, davon sind abzuziehen 500 Mark für den Verkauf des Bauplatzes der alten Kirche.

    Die Gesamtkosten betragen demnach 49.500,00 Mark.

    Der Kostenanschlag war lediglich eine vorläufige Schätzung. Im Verlauf der Arbeiten konnten sich Abweichungen ergeben. Die Erd- und Maurerarbeiten übernahmen am 30.09.1910 die Bauunternehmer Franz Weinert und Heinrich Schleis aus Oberwesel für 17.471,27 Mark.

    Für die Ausführung der Arbeiten waren kurze Termine gesetzt. Die Unternehmer mussten sofort beginnen und bis 01.11.1910 die Fundamentarbeiten bis zur Fußbodenhöhe fertigstellen.

    Im Frühjahr 1911 sollte innerhalb von acht Wochen das Maurerwerk bis zur Hauptgesimshöhe aufgemauert werden und innerhalb weiterer acht Wochen das höher liegende Turmmauerwerk. Das Aufstellen der Säulen und das Einwölben der Kirche sollen dann innerhalb von drei Wochen erfolgen, und die äußeren und inneren Verputzarbeiten waren innerhalb von weiteren zwei Wochen fertigzustellen.

    Das Kirchengebäude wurde während des Sommers 1911 errichtet, man sah die Kirche förmlich wachsen.

    Am Sonntag, 14.05.1911 fand die Feier der Grundsteinlegung statt. Nachmittags um 16.00 Uhr wurde der Grundstein der alten Kirche in feierlicher Prozession zum festlich geschmückten Bauplatz gebracht. Pastor Hoffmann begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen auch Bürgermeister Kanowsky aus Simmern. Landrat Dr. Brand hatte eine Glückwunschtelegramm geschickt. Pastor Johann Stein von Lockweiler bei Wadern, der Vorgänger von Pastor Hoffmann hielt eine zu Herzen gehende Festpredigt. Dechant Nikolaus Sellen von Rheinböllen nahm im Auftrag der "Bischöflichen Behörde" die Segnung des Grundsteines vor.

    Die Urkunde für den Grundstein wurde in lateinischer und deutscher Sprache verlesen.

    Die Feier erhielt durch die Blaskapelle von Liebshausen und dem Kirchenchor einen würdigen Rahmen.

    Die Urkunde, die im Grundstein hinterlegt wurde, hatte folgenden Wortlaut:

    Gepriesen sei die Heiligste Dreifaltigkeit. Im achten Jahr der glorreichen und kraftvollen Regierung des Papstes Pius X als der erhabene und ruhmvolle König von Preußen und Deutscher Kaiser Wilhelm II regierte, als Michael Felix Korum, der heilige Theologie-Doktor auf dem Stuhl des hl. Eucharius zu Trier saß, als Johann Philipp Hoffmann, Pastor der in alten Urkunden Heriadesneida genannten Mutterpfarrei Rayerschied war, als Paul Brandt, beider Rechte Doktor, Königlicher Landrat des Kreises Simmern und Karl Kanowsky, Bürgermeister in Simmern war, da ist im Jahre des Heiles eintausend neunhundert und elf am vierzehnten Mai von dem Hochwürdigen Dechanten Nikolaus Sellen, Pfarrer in Rheinböllen und Ehrendomherr der Hohen Domkirche zu Trier der Grundstein dieser Filialkirche, die zu Ehren der hl. Apollonia, Jungfrau und Märtyrerin erbaut wird, gesegnet und gelegt worden unter Beistand der Hochwürdigen Herrn Pfarrer und unter starker Beteiligung des christlichen Volkes. Baumeister ist Ernst Brand aus Trier.

    Gebe Gott am Feste des hl. Rockes unseres Herrn Jesu Christi

    gez. Johann Philipp Hoffmann

  • Einweihung und Ausstattung der Kirche

    Nach der Grundsteinlegung  gingen die Bauarbeiten an der Kirche, während des Sommers 1911 rüstig weiter, man sah die Kirche förmlich wachsen.

    Am Sonntag, 14.12.1911 konnte die Kirche förmlich eingeweiht werden. Unter den Ehrengästen befand sich neben zahlreichen Gästen Landrat Dr. Brandt und auch Bürgermeister Kanowsky.

    Dechant Sellen hielt bei der Feier eine tiefempfundende Festpredigt und nahm mit bischöflicher Erlaubnis die Einweihung vor. Die Pfarrkinder von Kisselbach und der Umgebung waren zu dieser Festfeier in großer Zahl erschienen.

    Allgemein empfand man Freude und Genugtuung über das gelungene Werk. Bei dem Zusammensein nach dem Festakt dankte Pastor Hoffmann all denen, die am Bau der Kirche mitgeholfen haben.

    Er pries das neue Gotteshaus als ein Werk einträchtigen Zusammenwirkens von weltlichen und kirchlichen Behörden. Landrat Dr. Brandt brachte einen Trinkspruch aus, auf Kisselbach und den Bauherrn. Bürgermeister Kanowsky sprach bei dieser Gelegenheit die Worte, die am Anfang dieser Schrift wiedergegeben sind.

    Der erste feierliche Gottesdienst in der neuerbauten Kirche wurde am Weihnachtsfest gehalten.

    Wie schon angemerkt, wurden die Bauarbeiten von den Unternehmen Franz Weinert und Heinrich Schleis aus Oberwesel übernommen.

    Die Steinmetzarbeiten führte aus Stephan Michael Weiler aus Rieden (Eifel) die Dachdeckerarbeiten Peter Herrmann aus Tiefenbach, die Schreinerarbeiten Achim Baumgarten und Peter Keßler, beide aus Kisselbach, die Klempnerarbeiten Anton Mecking aus Rheinböllen.

    Für die Arbeiten an der Kirche wurden ausgegeben, soweit es festgestellt werden konnte, insegesamt 32.187,54 Mark.

    Die baupolizeiliche Überprüfung ergab keine Mängel.

    Die Kirche war als dreischiffige Säulenbasilika im neugotischen Stil erbaut worden.

    Als die neue Kirche eingeweiht war, konnte man die alte Kirche entbehren, man benötigte Geld. Die Versteigerung fand am 15.01.1912 statt. Gebäude und Grundstück gingen in den Besitz von Jakob Menne aus Liebshausen über für den Betrag von 1.060.00 Mark.

    Es galten folgende Verkaufsbedingungen: Für Güte des Materials an Gebäude und Fundamente wurde keine Garantei geleistet. Im Besitz der Kirchengemeinde blieben die Bänke, der Glockenstuhl samt Glocken und Fenster. Der Hochaltar der alten Kirche war schon vorher entfernt worden. Die Fenster musste der Ersteigerer vorsichtig entfernen und dem Kirchenvorstand übergeben. Die Platten, die Treppe und die Emporbühne fielen dem neuen Besitzer zu.

    Das Kirchengebäude musste schon bald und zwar vollständig abgebrochen werden, es durfte zu keinerlei profanen Zwecken gebraucht werden.

    Der notarielle Akt bezeichnet die alte Kirche als Grundstück von Kisselbach jenseits im Bd. 3 Artikel 127 Flur 9 Nr. 1020/514 im Dorf a) Kirche b) Turm 7,24 a.

    Die Bischöfliche Behörde genehmigte den Abbruch der Kirche, weil sie keinerlei künstlerischen oder baugeschichtlichen Wert besitze. Die alte Kirche wurde schon bald danach abgebrochen und der Turm am 25.05.1912 durch Pioniere aus Koblenz gesprengt.

    Die Inneneinrichtung der Kirche erforderte noch hohe Kosten. Schon bald nach Vollendung der Kirche lieferte Firma Binsfeld, die Fenster und zwar drei Chorfenster mit Figurengruppe zu je 300 Mark und sechs dreiteilige Fenster im Schiff, zwei davon zu je 150 Mark und vier Fenster zu je 120 Mark, dazu noch einige kleinere Fenster.

    Die Gesamtkosten für die Fenster betrugen 1846,00 Mark.

    Die übrige Einrichtung der Kirche wurden von Bildhauer Johann Mettler, Morbach, gestaltet und aufgestellt (im Verlauf des Jahres 1913).

    Kommunionbank und Beichtstuhl kosteten 758 Mark, die Kanzel 1.200,00 Mark.

    Der Preis für den Hochaltar und die Seitenaltäre ist nicht bekannt. Der Hochaltar zeigt reichen Figurenschmuck, er gibt der Kirche ein festliches Gepräge.

    Der Marienaltar stammt aus der alten Kirche, es ist der frühere Hochaltar, der mit einer Marienfigur gekrönt wurde.

    Edle Wohltäter haben die Fenster, Hochaltar, Seitenaltar und die Kommunionbank gestiftet.

    Am 21.12.1913 hat Herr Pastor Hoffmann mit Bischöflicher Erlaubnis einen neuen Kreuzweg errichtet. Der Bau der neuen Kirche und ihrer Einrichtung war damit abgeschlossen.

    Die hier vorgelegte Übersicht lässt die Schwierigkeiten erkennen, mit denen man zu kämpfen hatte, bis die Finanzierung gesichert und das Werk durchgeführt war.

    Will man einen Vergleich ziehen mit den heutigen Preisen, so muss man die damaligen Preisangaben verzehnfachen. Die Größe der gebrachten Opfer wird dadurch noch viel deutlicher.

    Die Orgel war aus der alten Kirche übernommen worden. In den dreißiger Jahren entschloss man sich eine neue Orgel zu beschaffen. Diese wurde am 28.07.1935 von Dechant Hart, Simmern eingeweiht. Herr Pastor Hoffmann, zurzeit Pastor in Banzem, hielt die Festpredigt. Die Freude der Katholiken von Kisselbach und Umgebung war groß. Die Orgel wurde von der Firma Gerhardt u. Söhne, Boppard geliefert.

    Auch die beiden Glocken der alten Kirche wurden in die neue Kirche übernommen. Eine der beiden Glocken wurde im ersten Weltkrieg für Kriegszwecke abgegeben. Nach dem ersten Weltkrieg schaffte man wieder eine neue Glocke an, aber im Jahr 1942 mussten beide Glocken abgeliefert werden.

    Seitdem läutete man mit einem kleinen Glöckchen Dies trägt die Inschrift:

    ORA PRO NOBIS

    ANNO 1695

    S.Catarina

    Das Glöckchen stammt aller Wahrscheinlichkeit nach vom Schönenberg. Seit 1950 wurde es nicht mehr benutz und hing im Turm. In der Waldkapelle hat es einen neuen Platz gefunden.

    Am 06.01.1950 wurde in Kisselbach von Dechant Hart, Simmern, zwei neue Glocken eingeweiht, eine Glockenfirma aus Bochum hat sie geliefert.

    Im Jahr 1958 wurde in Kisselbach eine Kirchenheizung eingebaut. Die Kosten in Höhe von 7.0000,00 DM wurden von der Pfarrei aufgebracht.

     

  • Umbau der Kirche

    Außer dem Bau einer neuen Kirche ereignete sich in den folgenden Jahrzehnten in Kisselbach vieles, was für das religiöse Leben dort von Bedeutung ist und das Pfarrleben geprägt hat. Diese Ereignisse sind es wert, das sie zusammenfassend dargestellt werden und so in lebendiger Erinnerung bleiben.

    Der Umbau der Kirche

    Mit der Gestaltung der Kirche sollte es noch kein Ende nehmen. 50 Jahre nach Bau und Errichtung der neuen Kirche stellte ein Gutachten im Jahr 1963 fest, dass einzelne Bauelemente an der Kirche baufällig geworden waren.

    Eine umfassende Instandsetzung der Kirche wurde notwendig. Die Bauarbeiten leitete der Architekt und Dipl. Ing. Herbert Herrmann. Die Arbeiten begannen am 01.07.1963.

    Für den Umbau wurde folgender Kostenvoranschlag aufgestellt.

    Erd-, Beton- und Maurerarbeiten52.100,00 DM
    Zimmerarbeiten37.500,00 DM
    Dachdecker- und Klempnerarbeiten  6.200,00 DM
    Plattenlegerarbeiten13.400,00 DM
    Schlosserarbeiten  3.500,00 DM
    Entwässerungsarbeiten  5.200,00 DM
    Steinmetzarbeiten  8.300,00 DM
    Anstreicherarbeiten  9.500,00 DM
    Elektroarbeiten  9.500,00 DM
    Schreinerarbeiten12.300,00 DM
    Nebenkosten23.000,00 DM
    Gesamtsumme180.500.00 DM

    Die Bischöfliche Behörde gab für die Instandsetzung der Kirche einen Zuschuss von insgesamt 100.000,00 DM. Beim Hunsrücker Kreditverein wurde ein Darlehen von 25.000,00 DM aufgenommen.

    Die Maurerarbeiten wurden durchgeführt von der Firma Anton Külzer, Steinbach, die Zimmerarbeiten der Firma Gebrüder Tries, Simmern.

    Während der Bauzeit wurden der Sonntagsgottesdienst und die Andachten im Jugendheim gehalten. Am 01.05.1964 konnten die Gläubigen wieder in die neu renovierte Kirche einziehen.

    In der Kirche wurden die Säulen und die frühere Decke entfernt, eine neue Dachkonstruktion und eine neue Empore wurden eingebaut. Die frühere neugotische Kanzel fand keine Verwendung mehr, die Kommunionbank wurde verändert und vor den Chorstufen im Kirchenschiff aufgestellt. Die Hauptlast beim Umbau der Kirche trug der damalige Pfarrer Csotti. Kurz vor Beendigung der Arbeiten verließ er am 03.03.1964 die Pfarrei. Sein Nachfolger Klemens Schuler führte die Arbeiten zu Ende.

    Die umgebaute Kirche hatte nun ein einschiffiges Langhaus mit einer neuen Vorhalle. Der Dachstuhl erhielt eine hölzerne Verkleidung, die übrige Einrichtung der Kirche blieb durchweg erhalten. Das Innere stellt sich dem Besucher wie folgt dar.

    Betritt man den hellen und lichten Kirchenraum, so wird der Blick gefesselt durch den reich ausgestatteten Hochaltar. Schaut man zum Altar hin, so stehen rechts die Figur des hl. Wendelin und links die Figur der hl. Apollonia, der Patronin der Kirche. Zwei Bildtafeln schmücken den Hochaltar, auf der rechten Seite das Opfer Abrahams, auf der linken Seite das Opfer des Melchisedesh. Je zwei Reliefbilder zu beiden Seiten des Altares, Bestandteile der früheren Kanzel, schmücken die Wand. Es sind die Bilder der vier großen Kirchenlehrer Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor der Große.

    Drei große, farbige Kirchenfenster verleihen dem Chor einen besonderen Glanz und zwar auf der linken Seite, wenn man auf den Altar schaut, Maria Verkündigung mit der Inschrift: Ave Maria, gratia plena. Auf der rechten Seite sieht man Maria Magdalena am Ostermorgen mit der Inschrift Non me tangere und hinter dem Altar Christi Geburt mit der Inschfit: Gloria in exelcis deo.

    Über dem mittleren Fenster liest man den Vermerk: Anno Domini 1911. Neben dem Hochaltar befindet sich links in einer Nische des Josefsaltares mit der Figur des hl. Josef in der Mitte und zu beiden Seiten die Figuren von Petrus und Paulus, die Patrone der alten Pfarrkirche auf dem Schönenberg.

    Auf der rechten Seite beim Blick auf den Hochaltar, an der Wand angelehnt, steht der Mutter-Gottes-Altar. Es ist der ehemalige Hochaltar der alten Kirche in Kisselbach. Dieser wurde neu bearbeitet und an der Stelle eines Kreuzes in der Mitte trat eine Mutter-Gottes-Figur. Diese Figur soll ehemals eine Figur der hl. Apollonia gewesen sein.

    Vorn im Chor steht der Volksaltar mit dem Ambo. Dieser Altar wurde am 21.11.2004 als "Erstlingswerk" von Weihbischof Jörg Michael Peters eingeweiht., Als Relique wurde ein Stein der Mutter-Gottes-Grotte eingearbeitet., war die Verbindung der Kisselbacher Waldkapelle als bedeutende Pilgerstätte im Hunsrück zum Ausdruck bringt. Der Chor mit seiner reichen Ausstattung ist eine Zeugnis für die Liebe, mit der man ein Gotteshaus ausschmückt.

    Das Schiff erhält ein eigenes Gepröäge durch die sechs dreiteiligen Fenster, je drei auf beiden Seiten. Auf der linken Seite vorn, wenn man zum Hochaltar schaut, sieht man das Fenster mit dem Bild der heiligen Maria Magdalena mit dem Vermerk: Gestiftet von Frl. Maria Eva Magdalena Gregorius, Kisselbach

    Auf dem mittleren Fenster sieht man das Bild der hl. Margarete mit dem Stiftervermerk Geschwister Maria und Margarete Kasper, Kisselbach und auf dem Fenster hinten beim Eingang der Kirche erscheint das Bild der hl. Elisabeth mit dem Vermerk: Frau Elisabeth Schlaude, Kisselbach

    Auf der anderen Seite in der Nähe des Mutter-Gottes-Altares sehen wir im Fenster das Bild des hl. Josephs mit dem Vermerk: Josef Wendling, Frankfurt. Das mittlere Fenster zeigt das Bild des hl. Petrus mit dem Stiftervermerk: Familie Peter Wald, Kisselbach und das hintere Fenster zeigt das Bild des hl. Andreas mit dem Vermerk: Andreas Henrich, Kisselbach.

    In der Nähe des Eingangs auf der rechten Seite beim Blick auf den Hochaltar ist eine Kapelle in eine Nische eingebaut. Diese ist zugleich Beichtkapelle, Taufkapelle und Ehrenmal. für die Gefallenen beider Weltkriege, deren Namen auf mehreren Tafeln verzeichnet sind.Bedeutungsvoll ist das lebensgroße Kreuz das sich dort befindet. Die Balken des Kreuzes sind neu, der Corpus wurde in einer nahegelegenen Mühle gefunden. Der Gesichtsausdruck des leidenden Heilands ist zartgliedrig. Das Werk gehört der Zeit um 1500 an. Man geht kaum fehl mit der Annahme, dass das Kreuz vom Schönenberg stammt.

    Ein anderes Kreuz aus Stein mit hölzernem Corpus von derber Art, das vor der Kirche steht, dürfte wohl eher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuzurechnen sein, der Zeit als die kleine Kapelle am Simmerbach zu einer größeren Kirche umgebaut wurde.

    Dann findet sich noch ein großes Kreuz an der linken Seite vom Hochaltar. Dieses Kreuz wurde 1831 erstellt und war das Altarkreuz vom jetzigen Marienaltar. Dieser war der Hauptaltar der alten Kirche. Es wurde als Missionskreuz im Vorbau der jetzigen Kirche aufgestellt, bis diese 1963 umgebaut wurde, dann lag es lange Jahre auf der Sakristei. Nach Rücksprache mit Dechant Fuchs erstellte Toni Wald ein neues Kreuz und Edmund Rausch überarbeitete den Korpus nach dem Urzustand. Dann wurde es im Herbst 2004 an den jetzigen Platz auf gehangen.

Das Pfarrheim

Im Bereich der Kirche liegt das Pfarrheim, dass im Pfarrleben eine bedeutungsvolle Rolle spielt. Sein Werden und Wachsen sei hier kurz geschildert.

Es liegt an einem Abhang. Ein eigener Zugang führt von der Straße in das Erdgeschoß. Dieser Teil des Gebäudes wurde von jeher von der Zivilgemeinde genutzt unter anderem als Backes und Kühlanlage. Davon getrennt ist der obere Teil des Gebäudes, zugänglich durch eigene Eingänge im Bereich der Kirche. Dieser Teil ist das eigentliche Pfarrheim.

Pastor Fritsch baute im Jahr 1930 dort ein Jugendheim. Er wurde in den dreißiger Jahren von der Jugend eifrig genutzt. Im Jahr 1940 wurde es beschlagnahmt. Einige Jahre nach Kriegsende wurde das Jugendheim erweitert. Die Kirchengemeinde kaufte im Jahr 1951 von der Zivilgemeinde eine daneben liegende Scheune für den Preis von 1.500,00 DM. Das Jugendheim wurde neu erweitert. Zahlreiche Jugendliche haben in aufopfernder Weise beim Umbau geholfen.

Im Jahr 1953 wurde das Jugendheim neu gestrichen und 1956 neu verputzt, auch wurde eine Schutzmauer gezogen. Im Jahr 1984 hat man diese Stätte der Jugend zu einem Pfarrheim umgestaltet. Die Bischöfliche Behörde leistete erhebliche Zuschüsse, die restlichen Beiträge wurden von der Filialgemeinde aufgebracht.

Das Heim wurde im Inneren völlig neu gestaltet, es wurde Heizung, Küche, Bühnenraum, Gemeinderaum und Nebenraum gebaut. Weitere Renovierungsarbeiten fanden von 2010 bis 2014 statt, u.a. wurde eine neue Pellet-Heizungsanlage installiert

Im Pfarrleben hat das Pfarrheim seitdem wertvolle Dienste geleistet